Ratgeber
Glasschaden richtig dokumentieren: die Checkliste für die ersten Stunden
Die häufigste Ursache dafür, dass ein berechtigter Anspruch scheitert, ist kein juristischer Fehler und kein technischer – es ist ein aufgeräumter Tatort. Diese Liste können Sie abarbeiten, ohne Fachwissen und mit dem Handy.
Sofort: nichts verändern
Nicht kehren, nicht saugen, nichts entsorgen, nichts reparieren lassen. Das gilt besonders bei Einscheiben-Sicherheitsglas, wo das Krümelfeld selbst das Beweismittel ist. Wenn eine Absicherung nötig ist, sichern Sie den Bereich ab, statt ihn zu räumen.
Fotografieren – in vier Abständen
- Raum oder Fassade gesamt, damit erkennbar ist, um welches Bauteil es geht und wo es sitzt.
- Das ganze Element mit Rahmen, frontal und möglichst ohne Gegenlicht.
- Der Schadensbereich aus etwa einem Meter, mit Maßband, Zollstock oder ersatzweise einer Münze im Bild.
- Details: Ausgangspunkt der Risse, Kanten, Bohrungen, Beschläge, Klötze, alles Auffällige aus der Nähe.
Zwei Tipps aus der Praxis: Fotografieren Sie dieselbe Stelle einmal mit und einmal ohne Blitz – Risse und Kratzer zeigen sich sehr unterschiedlich. Und lassen Sie die automatische Zeitangabe der Kamera aktiv; das Aufnahmedatum ist später oft wertvoll.
Die Kennzeichnung suchen
Fast jedes verbaute Glas trägt Angaben zur Herkunft:
- Bei Isolierglas: eine Prägung im Abstandhalter zwischen den Scheiben, sichtbar wenn man schräg in den Randbereich schaut. Enthält meist Hersteller und Produktionsdatum.
- Bei Sicherheitsglas: ein eingebrannter Stempel in einer Ecke mit Angabe der Glasart und der Norm.
- Am Fensterrahmen: häufig ein Aufkleber oder eine Prägung im Falz mit Auftrags- oder Produktionsnummer.
Diese Angaben sind oft wichtiger als jede Rechnung, weil sie das tatsächliche Alter und die tatsächliche Ausführung belegen.
Bruchstücke sichern
- Alles aufheben, besonders Stücke mit erhaltener Glaskante.
- In einen stabilen Karton legen, mit Papier zwischen den Lagen.
- Beschriften: Bauteil, Raum, Datum, gegebenenfalls Position im Element.
- Bei ESG: das Krümelfeld möglichst im Zusammenhang aufnehmen, nicht durchmischen.
- Trocken lagern – Feuchtigkeit verändert Beläge und Rückstände auf den Bruchflächen.
Unterlagen zusammenstellen
- Auftrag, Angebot, Leistungsverzeichnis
- Lieferschein und Rechnung
- Abnahme- oder Übergabeprotokoll
- gesamter bisheriger Schriftverkehr mit Auftragnehmer, Hersteller oder Versicherung
- Versicherungspolizze und Schadensmeldung, falls vorhanden
Eine Zeitleiste schreiben
Fünf Zeilen genügen, aber sie sind Gold wert: Wann wurde eingebaut? Wann wurde der Schaden erstmals bemerkt und von wem? Was geschah in den Tagen davor – Bauarbeiten, Reinigung, Hitzeperiode, Sturm, Umbau, ein verstellter Flügel? Wurde bereits etwas unternommen? Mit wem wurde gesprochen? Solche Angaben verblassen erstaunlich schnell, und später kommt es genau darauf an.
Im Zweifel anrufen, bevor etwas passiert
Wenn ein Handwerker bereits Termin hat und Sie unsicher sind, ob vorher dokumentiert werden muss: kurz anrufen. Ein Telefonat kostet nichts, eine verlorene Beweislage schon. Siehe auch Beweissicherung vor der Sanierung.
Ihr Fall ist nicht eindeutig?
Schicken Sie uns Fotos. Eine erste Einschätzung ist kostenlos und sagt Ihnen, ob sich eine Begutachtung lohnt.